Kindertagespflege im Pandemiebetrieb

Schreiben des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen vom 08.121.2020

Virus (c) Bild von mattthewafflecat auf Pixabay
Virus
Datum:
So. 13. Dez. 2020
Von:
Kitas in Baesweiler

Sehr geehrte Damen und Herren,
dieses Jahr hat uns alle vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Zwar konnte mit den Maßnahmen des Lockdown Light seit Anfang November der exponentielle Anstieg des Infektionsgeschehens gebremst werden, aber es gibt keine Entwarnung. Die Infektionszahlen sind immer noch hoch. Wir alle haben gehofft, dass die neuerlichen Maßnahmen zu einer deutlicheren Reduzierung der Infektionszahlen führen. Das ist leider nicht der Fall. Und auch wenn wir mit Blick auf den möglichen Impfschutz mittlerweile ein Licht am Ende des Tunnels sehen, müssen wir realistisch zur Kenntnis nehmen: die Pandemie wird uns auch im nächsten Jahr weiter beschäftigen.

Gerade deshalb brauchen wir auch für die Kindertagesbetreuung eine Perspektive, die durch die nächsten Wochen und Monate trägt. Die Kinder brauchen gerade in diesen schwierigen Zeiten mit vielen Verunsicherungen ihren pädagogischen Alltag in ihrem gewohnten, in der Kindertagespflege sehr familiären Rahmen. Kinder haben, auch in einer Pandemie, das Recht auf frühkindliche Bildung, auf individuelle Förderung, liebevolle Begleitung und Kontakt mit ihren Freundinnen und Freunden. Und deshalb wird es in meiner Verantwortung, wie versprochen, keine landesweiten Schließungen von Kindertagesbetreuungsangeboten geben.

Was aber auch klar ist – und das war es von Anfang an: Der Regel-betrieb in Pandemiezeiten ist kein normaler Regelbetrieb. Er war von Anfang an ein Pandemiebetrieb, der insbesondere den Kindertagespflegepersonen viel abverlangt. Der Alltag ist anders, es gibt viele neue Herausforderungen, es müssen flexible und kreative Lösungen gefunden werden und es gibt Sorgen und Ängste. Und trotz allem stehen die Kindertagespflegepersonen mit großer fachlicher Expertise und mit Herzblut an der Seite der Kinder. Sie machen das möglich, was möglich ist. Aber es ist in diesen schwierigen Monaten eben nicht alles möglich. Das muss allen zusammen klar sein.

Da wo es möglich war und ist, haben wir einen Gleichlauf von Empfehlungen und Konzepten zur Umsetzung der verschiedenen Phasen der Kindertagesbetreuung zwischen Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegepersonen hergestellt.

Die Inhalte des zu Kindertageseinrichtungen vorgelegten Konzeptes lassen sich überwiegend aber nicht auf die Kindertagespflege übertragen. Dies gilt beispielsweise beim Thema Gruppen- bzw. Kohortentrennung. Gleichwohl können auch Sie, liebe Kindertagespflegepersonen, Gestaltungsspielräume nutzen. Zum Teil sind es die gleichen Gestaltungsspielräume, die auch den Kindertageseinrichtungen zur Verfügung stehen, zum Teil sind es andere.

Als Gestaltungsspielräume stehen Ihnen beispielsweise folgende Elemente zur Verfügung, die Sie flexibel und bedarfsgerecht umsetzen können und vielerorts vielleicht auch schon nutzen:

  • Ausweitung der Maskenpflicht unter Erwachsenen (das heißt auch dann, wenn der 1,5 m Abstand einhaltbar ist)
  • Engere Auslegung des Umgangs mit kranken Kindern
  • Gestaffelte Vorgaben zu Bring- und Abholzeiten
  • Weniger Flexibilität in Randzeiten
  • Räumliche Gruppentrennung in der Großtagespflege, kein Wechsel von betreuten Kindern zwischen den ihnen pädagogisch und vertraglich zugeordneten Kindertagespflegepersonen
  • Einschränkungen für die Eltern beim Betreten der Kindertagespflegestelle (Bring- und Abholsituationen soweit möglich in den Außenbereich verlegen)
  • Reduzierung des individuellen Betreuungsumfangs im Einvernehmen mit den Eltern

Welche Maßnahmen vor Ort getroffen werden, muss individuell entschieden werden. Es muss aber klar sein: Das, was Kindertagespflegepersonen beispielsweise im Umgang mit kranken Kindern entscheiden, gilt. Diese Entscheidungen haben die volle Rückendeckung des Ministeriums.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass Ihnen, liebe Eltern, die Coronapandemie viel abverlangt hat. Mir ist der Druck, der auf Ihnen lastet, bewusst. Sie haben im Lockdown im Frühjahr alles gegeben. Vielfach sind Ihre Reserven an Urlaubs- und Kinderkrankentagen schon stark beansprucht oder gar aufgebraucht. Sie sind dem Druck ausgesetzt, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Dies kann an den Rand der Kräfte führen. Dies gilt aber nicht nur für Eltern, sondern auch für die Kindertagespflegepersonen.

Liebe Kindertagespflegepersonen, liebe Eltern,
lassen Sie uns jetzt noch stärker zusammenhalten und gemeinsam alle Möglichkeiten nutzen, um unsere Kinder gut durch diese Krise zu bringen. Ich bleibe dabei an Ihrer Seite. Lassen Sie uns alle einander gegenseitig stützen und schützen.
Für die kommenden Feiertage wünsche ich Ihnen trotz der schwierigen Umstände eine ruhige und schöne Zeit mit der Familie.

Herzliche Grüße
Ihr
Dr. Joachim Stamp